Ursachen
Die 5 häufigsten Schimmelursachen
in Altbauten
10 Min. Lesezeit · Kai Roß, Bausachverständiger
Wer in einem Altbau lebt oder investiert, kennt das Problem: feuchte Ecken, dunkle Stellen an Außenwänden, muffiger Geruch. Alte Gebäude haben bauliche Schwachstellen, die modernen Neubauten fremd sind. Der entscheidende Unterschied: Im Altbau liegt die Ursache fast immer in der Bausubstanz – nicht im Verhalten der Bewohner. Wer nur die sichtbaren Flecken wegmacht, ohne die Ursache zu beseitigen, hat das Problem in sechs Monaten wieder.
Das Wichtigste auf einen Blick
- In Altbauten liegt die Schimmelursache häufig in der Bausubstanz – nicht im Nutzungsverhalten.
- Wärmebrücken sind die häufigste Einzelursache – sie lassen sich messen und nachweisen.
- Oberflächen-Behandlung ohne Ursachenbehebung hält selten länger als ein Jahr.
- Eine professionelle Ursachenanalyse schützt Mieter und Vermieter gleichermaßen.
Wärmebrücken
An Stellen, an denen Wärme besonders schnell aus dem Gebäude entweicht, kühlt die Wandoberfläche stärker ab als der Rest des Raums. Die warme Raumluft trifft auf die kalte Fläche, die Feuchtigkeit kondensiert – Schimmel wächst. Klassische Stellen in Altbauten: Außenwandecken, Fensterlaibungen, Deckenübergänge, auskragende Balkonplatten.
Typische Stellen
- Raumecken, besonders nordexponiert
- Hinter Schränken, die direkt an Außenwände gestellt werden
- Unterhalb von Fenstern und an Fensterleibungen
- Übergänge Decke–Außenwand
Unzureichende Wärmedämmung
Viele Gebäude der Baujahre 1920–1975 haben kaum oder gar keine Außendämmung. Die Außenwand ist kalt, die warme Raumluft kondensiert an der Innenseite. Besonders kritisch: nordseitige Fassaden, die nahezu keine direkte Sonneneinstrahlung bekommen und sich kaum aufwärmen.
Typische Stellen
- Nordseitige Außenwände
- Erdgeschoss-Außenwände (Bodenkalte)
- Ungedämmte Kellerdecken
- Dachgeschoss-Wände ohne Innenverkleidung
Undichte Dachhaut und Wassereintritt
Risse in Dachziegeln, beschädigte Regenrinnen, fehlerhaft abgedichtete Durchdringungen – Wasser, das in die Bausubstanz eindringt, sucht sich seinen Weg nach unten. Schäden am Dach werden oft erst bemerkt, wenn Schimmel durch die Decke ins darunterliegende Stockwerk zieht. Bei Flachdächern kommt Blasenbildung und Ablösung der Abdichtungsbahn hinzu.
Typische Stellen
- Dachbodenfußboden und -decke
- Fenster- und Türlaibungen im Obergeschoss
- Außenwandbereiche unter Fensterbänken
- Giebelwände seitlich unter dem Dachüberstand
Aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Keller
Bei Gebäuden vor dem Zweiten Weltkrieg fehlt häufig eine funktionsfähige Horizontalsperre. Grundwasser und Bodenfeuchtigkeit steigen kapillar durch das Mauerwerk nach oben. Erkennbar an Salzausblühungen, Putzabplatzungen und einem charakteristischen Feuchtegürtel in erdnahen Wandbereichen. Schimmel folgt dort, wo die Feuchtigkeit steht.
Typische Stellen
- Kelleraußenwände, besonders nordseitig
- Erdgeschoss-Innenwände bis ca. 1 Meter Höhe
- Keller-Deckenübergänge
- Hinter abgehängten Verkleidungen
Fehlende Lüftung nach Sanierung
Altbauten funktionieren ursprünglich über natürliche Undichtigkeiten – Fugen, Ritzen, einfach verglaste Fenster. Wer modernisiert (neue Fenster, nachträgliche Dämmung), dichtet das Gebäude ab. Ohne ein gleichwertiges Lüftungskonzept entsteht ein Feuchtigkeitsstau. Die Feuchtigkeit der Bewohner (Kochen, Duschen, Schlafen) hat keinen Weg nach draußen.
Typische Stellen
- Schlafzimmer nach Fenstererneuerung
- Bäder ohne Entlüftung
- Wohnräume nach vollständiger Fassadendämmung
- Küchen ohne funktionierende Abluft
Wichtiger Hinweis
Schimmel-Spray und Überstreichen lösen das Problem nicht. Sie beseitigen sichtbare Sporen, nicht die Ursache. Solange Feuchtigkeit in der Wand vorhanden ist oder weiter kondensiert, kehrt der Schimmel zurück – oft aggressiver als zuvor. Bei mietrechtlichen oder versicherungstechnischen Streitigkeiten kann ein übergestrichener Schimmelfleck außerdem als Beweisvernichtung gewertet werden.
Ursache ermitteln lassen
Woher kommt der Schimmel bei Ihnen?
Mit Feuchtemessung, Thermografie und Befundaufnahme vor Ort stellen wir die tatsächliche Ursache fest – nicht nur die Symptome. Auf Basis Ihrer Angaben erstellen wir vorab einen Kostenvoranschlag.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Versicherungsberatung. Für Ihren konkreten Fall empfehlen wir die Rücksprache mit einem unabhängigen Sachverständigen.